Kieferorthopädische Behandlung Schritt für Schritt…

Kieferorthopädie ist ein Fachgebiet der Zahnmedizin, das sich mit Diagnostik, Vorbeugung von Fehlstellungen und Zahnkorrekturen – Unregelmäßigkeiten der Zahnposition, des Zahnbogens und der Kiefer – befasst. Diese Unregelmäßigkeiten sind in der Regel kein Ergebnis einer Krankheit, sondern beruhen meist auf einer beeinträchtigten Entwicklung der Kiefer und Zähne. Eine kieferorthopädische Behandlung beruht auf Freiwilligkeit, es gibt auch die Möglichkeit, dass man die Mängel und Fehlstellungen belässt. Eine kieferorthopädische Behandlung führt jedoch zu einer einwandfreien Funktion der Zähne und des Kiefers und zu einer besseren Ästhetik der Zähne und des Gesichtes, was sich positiv auf die Lebensqualität auswirkt und zum psychischen Wohlbefinden beitragen kann.

1. Schritt – Erstberatung und Diagnosefeststellung

Vor der eigentlichen kieferorthopädischen Behandlung erfolgt zuerst eine ausführliche  Diagnostik, die eine erste Untersuchung und Beratung durch den Arzt, das Ausfüllen eines Fragebogens, die Herstellung von Zahnmodellen, Röntgenaufnahmen und Fotos des Gesichtes und der Zähne beinhaltet. Das Ziel dieser Untersuchungen ist die Fehlstellungen zu bestimmen und den Behandlungsbedarf des Patienten festzustellen. Zudem sind die gesammelten Daten auch Teil der obligatorischen medizinischen Dokumentation.

2. Schritt – Behandlungsplan

Anhand der Auswertung aller verfügbaren Informationen erfolgt die Planung der Behandlung. Es wird ein individuelles, schlüssiges Therapieverfahren, bestehend aus einzelnen Behandlungsschritten, entwickelt, das zu dem besten Ergebnis für den Patienten führt. In manchen Fällen ist es nötig Milchzähne oder permanente Zähne zu beschleifen oder zu extrahieren. Zudem sind manchmal zusätzliche prothetische Behandlungen oder chirurgische Eingriffe notwendig. Abhängig von individuellen Unterschieden und Komplikationen kann der Verlauf der Behandlung erschwert werden. In diesen Fällen behält sich der Arzt das Recht vor den anfänglichen Behandlungsplan zu ändern oder zu erweitern. Über alle Änderungen wird der Patient natürlich vollständig informiert.

3. Schritt – Aktive Behandlung und Retentionsphase

In unserer Praxis bieten wir Behandlungen mit herausnehmbaren und festsitzenden Apparaturen an. Herausnehmbare Zahnspangen können frei aus dem Mund entfernt und beiseite gelegt werden (zum Beispiel beim Essen, in einer Gesellschaft oder beim Sport). Herausnehmbare Zahnspangen werden verwendet um kleine Korrekturen der Zähne oder der Kieferstellung vorzunehmen. Zudem werden sie häufig im Rahmen einer Vorbehandlung vor den festsitzenden Apparaturen eingesetzt. Um das Ergebnis nach der aktiven Behandlung mit festsitzenden Zahnspangen zu halten, werden ebenfalls herausnehmbare Apparaturen verwendet.

Für umfassendere kieferorthopädische Behandlungen werden feste Apparaturen (feste Zahnspangen) benötigt, die fest mit den Zähnen verbunden sind. Hierbei gibt es verschiedene Varianten der festen Zahnspange zwischen denen der Patient wählen kann. Sowohl eine Zahnspange komplett aus sogenannten „Metallbrackets“ ist möglich, es gibt aber auch weniger auffällige transparente Materialien oder auch die Lingualtechnik, d.h. eine Zahnspange, die an der Innenseite der Zähne befestigt ist (sog. “unsichtbare Zahnspangen”). Weil in der Kieferorthopädie die Genauigkeit sehr wichtig ist, verwenden wir ausschließlich Produkte von bekannten ausländischen Unternehmen. In manchen Fällen beinhaltet der Behandlungsplan noch weitere besondere Zusatzgeräte (wie z. B. Teilbögen, Minischrauben, Jumping Gerät, usw.). Wenn diese bei Ihnen notwendig sind, werden wir Sie darüber im Detail bei der Beratung bzw. der Besprechung des Behandlungsplanes informiert.

Eine Alternative zu den festen Zahnspangen sind spezielle durchsichtige Kunststoffschienen (Aligner – System Invisalign). Es handelt sich dabei um herausnehmbare und fast unsichtbare Zahnschienen, die ebenso komplexe Behandlungsaufgaben wie die festsitzende Zahnspange lösen können.

Behandlungsverlauf

Die kieferorthopädische Behandlung beginnt je nach Behandlungskonzept mit dem Einsetzen der herausnehmbaren oder festen Apparatur. Die Kontrollen der festen Apparaturen finden ca. 1x im Monat statt, herausnehmbare Zahnspangen müssen seltener kontrolliert werden. Bei den Kontrollen werden die Apparaturen je nach Behandlungsstand kontrolliert und aktiviert oder es werden nicht mehr benötigte Komponenten entfernt oder ersetzt. Während des Therapieverlaufes werden aktuelle Fotos oder Röntgenbilder gemacht, um den aktuellen Behandlungsstand zu dokumentieren. Einige Behandlungen werden von unseren ausgebildeten kieferorthopädischen Assistentinnen durchgeführt. Dies erfolgt aber stets unter ärztlicher Aufsicht. Wenn wir durch die aktive Behandlung das gewünschte Ergebnis erreicht haben, wird die feste Zahnspange entfernt und das Behandlungsergebnis dokumentiert. In der ersten Zeit nach der Entfernung haben die gerichteten Zähne die Tendenz sich in ihre ursprüngliche Position zurückzubewegen, deswegen ist es notwendig, das erzielte Ergebnis zu stabilisieren. In dieser Zeit wird Gewebe rekonstruiert und an die neue Situation angepasst. Diese Anpassungsphase an den neuen Zustand wird Retentions-, Stabilisierungs- oder Haltephase genannt. Während dieses Zeitraums verwenden wir in der Regel herausnehmbare Zahnspange und Drähte, die auf die Rückseite der Zähne geklebt werden. Bei unzureichender oder zu kurzer Retentionsphase kann es zu Rückfällen – sogenannten Rezidiven – kommen. Dabei können sich einzelne Zähne oder Teilbereiche wieder in ihre alte Position zurückbewegen.

Dauer der Behandlung

Die Dauer der kieferorthopädischen Behandlung hängt hauptsächlich vom Schweregrad der Fehlstellung ab. Die durchschnittliche Behandlungsdauer für die meisten aktiven kieferorthopädischen Behandlungen beträgt 1-3 Jahre, die Retentionsphase danach dauert mindestens ebenso lang. Wenn das Ergebnis der Behandlung instabil ist, kann eine längerfristige oder sogar lebenslange Retention/ Stabilisierung nötig sein. Die Länge der aktiven Behandlung und die Retentionsphase können von Patient zu Patient, auch bei ähnlicher Ausgangslage, stark variieren. Dies hängt vor allem von den einzelnen Gewebsreaktionen des individuellen Patienten ab. Es ist daher nicht realistisch, eine exakte Dauer der kieferorthopädischen Behandlung zu bestimmen. Zudem wird die Behandlungszeit auch durch die Kooperation des Patienten beeinflusst. Unzureichende Zusammenarbeit und Nichteinhalten der Anweisungen des Arztes führen zu einer Verlängerung der Behandlungsdauer (siehe die Kooperation des Patienten).

Kosten der Behandlung

Die Kosten der kieferorthopädischen Behandlung werden nur teilweise von den öffentlichen Krankenversicherungen bezahlt. Die finanzielle Beteiligung des Patienten hängt von der Schwere der Fehlstellung, der Art der Apparaturen, der Länge der Therapie und der Menge des Materials, das verbraucht wird, ab. Die ungefähren Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung werden Sie bei der Erstberatung erfahren, ein genauer Preis wird dann nach Erstellen des Behandlungsplanes ermittelt. Die Bezahlung kann bei uns bar, mit Kreditkarte oder per Banküberweisung erfolgen. Die Zahlung erfolgt in der Regel in drei Raten, gleichmäßig verteilt über die Dauer der aktiven Behandlung. Wenn Sie die Behandlung auf einmal bezahlen, bekommen Sie von uns einen Rabatt von 5% auf die Behandlungskosten. Durch unsere Zusammenarbeit mit der Raiffeisenbank bieten wir Ihnen auch die Möglichkeit die Behandlung durch regelmäßige monatliche Zahlungen auf Kredit zu finanzieren.

Kooperation des Patienten

Eine angemessene Kooperation des Patienten und die Einhaltung der ärztlichen Anweisungen ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche kieferorthopädische Behandlung.

Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist die perfekte Mundhygiene. Zähne mit festen kieferorthopädischen Apparaturen müssen nach jeder Mahlzeit gereinigt werden. Hierfür erhalten sie eine Einweisung durch unsere kieferorthopädischen Assistentinnen. Eine unzureichende Hygiene führt zu Entkalkung des Zahnschmelzes (siehe Komplikationen bei der Behandlung) und kann zu einer vorzeitigen Entfernung der festen Zahnspange oder zum Nichtanfangen der kieferorthopädischen Behandlung führen. Nach dem Aufsetzen der festen Apparatur erhalten Sie von uns kostenfrei Hilfsmittel für die Pflege. Wenn mangelnde Hygiene während der Behandlung auftritt, können für den Patienten weitere Kosten entstehen, die nicht erstattet werden.

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen beim behandelnden Kieferorthopäden. Bei der Vereinbarung der Kontrollentermine werden wir versuchen Ihnen gerecht zu werden und individuell auf Sie einzugehen. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass es aus organisatorischen Gründen nicht immer möglich ist alle Termine außerhalb der Schul- oder Arbeitszeiten zu planen. Aus Kapazitätsgründen in unserer medizinischen Einrichtung, bitten wir Sie maximal eine Person als Begleitung mitzubringen. Versäumnisse von Kontrollenterminen führen zur Verlängerung der Behandlung. Falls an der Apparatur ein Fehler auftritt oder etwas kaputt geht, sollten Sie so bald wie möglich einen extra Termin vereinbaren. Bei wiederholten Terminversäumnissen oder wiederholt nötig werdenden Reparaturen, beispielsweise aufgrund von unsachgemäßer Handhabung, können diese dem Patienten in Rechnung gestellt werden. Zudem kann dies der Grund für eine vorzeitige Beendigung der Behandlung sein. Neben den Kontrollen in unserer kieferorthopädischen Praxis ist es wichtig regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt wahrzunehmen.

Mit der kieferorthopädischen Behandlung ist eine leichte Anpassung der Essgewohnheiten verbunden. Um mögliche Schäden an den Apparaturen zu verhindern, sollten vor allem sehr harte Lebensmittel (Toast, Nüsse, harte Früchte und hartes Gemüse) vermieden werden. Im Hinblick auf die Gefahr von Karies sind Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt zu meiden.

Bei herausnehmbaren Apparaturen, hinzugefügten Geräten zur festen Zahnspange und Retentionsgeräten ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt und die Einhaltung der Anweisungen des Arztes erforderlich. Werden diese Anweisungen nicht befolgt, kann es sein, dass das geplante Ergebnis nicht erreicht werden kann oder ein Wiederauftreten der Fehlstellung – ein Rezidiv – auftreten kann (siehe Behandlungsverlauf).

Mögliche Komplikationen der kieferorthopädischen Behandlung

Komplikationen bei der kieferorthopädischen Behandlung sind meistens nicht schwerwiegend und können häufig gelöst werden. Dennoch ist es unsere Pflicht Sie darüber zu informieren. Viele Komplikationen können durch eine gute Zusammenarbeit während der kieferorthopädischen Behandlung und durch konsequente Mundhygiene verhindert werden.

Anfängliche kann nach dem Einsetzen der Apparaturen ein Druckgefühl oder Schmerzen an den Zähnen auftreten. Diese Beschwerden dauern meist nur einige Tage an und werden allmählich nachlassen. Analgetika zur Schmerzlinderung werden selten benötigt. Ähnliche Druckgefühle können sich nach jeder Kontrolle wiederholen, sind jedoch milderen Charakters. Teile der kieferorthopädischen Apparaturen können selten kleinere Kratzer oder blaue Flecke auf der Schleimhaut, den Lippen, dem Gesicht oder der Zunge verursachen. Beim Einsetzen der festen Zahnspange geben wir Ihnen kostenlos Schutzwachs mit, welches Sie bei Schwierigkeiten beispielsweise mit den Brackets verwenden können. Wenn die Schleimhaut in größerem Maßstab beschädigt ist, ist es notwendig einen Arzt aufzusuchen. Bei Patienten mit festsitzenden Apparaturen, die einen Kontaktsport betreiben, empfehlen wir einen zusätzlichen Sportschutz zu verwenden, um Weichteilverletzungen zu verhindern.

Allergische Reaktionen auf die kieferorthopädischen Apparaturen sind selten. Diese würden sich durch Juckreiz, Rötung und Schwellung der Mundschleimhaut bemerkbar machen. Die meisten Materialien, die auf der Haut eine allergische Reaktion verursachen würden, bereiten an der Mundschleimhaut meist keine Komplikationen. Wenn eine Allergie auf einen bestimmten Bestandteil in der kieferorthopädischen Apparatur nachgewiesen wird, werden wir versuchen eine alternative Lösung zu finden.

Die häufigsten Komplikationen der kieferorthopädischen Behandlung sind Entkalkungen des Zahnschmelzes und die Kariesentstehung. Sie werden bei schlechter Mundhygiene durch die Ansammlung von Belägen und Speiseresten um die feste Zahnspange verursacht. Bei guter Mundhygiene kann das Risiko für Karies und Entkalkungen jedoch drastisch gesenkt werden und stellt somit bei einer festen Zahnspange kaum noch ein Problem dar.

Kennzeichnend für die Entkalkung des Zahnschmelzes ist die Bildung von weißen Flecken auf den Zähnen, es handelt sich um einen Vorläufer der Zahnschmelzkaries. Diese weißen Flecken erfordern, im Gegensatz zu Karies, zunächst keine therapeutische Intervention, stellen jedoch ein bleibendes ästhetisches Problem dar, das schwierig zu behandeln ist. Die Anhäufung von Plaque auf den Zähnen verursacht zudem eine Zahnfleischentzündung. Eine kieferorthopädische Behandlung wird dann für beide Seiten unangenehm und aufgrund der Verzögerung der Zahnbewegung kann es zur Verlängerung der Behandlungsdauer kommen. Zahnfleischentzündung können schnell wieder verschwindet, sobald sich die Hygiene verbessert hat. In extremen Fällen kann bei mangelnder Mundhygiene der Zahnhalteapparat angegriffen und zerstört werden, was zu Zahnverlust führen kann. Aus diesem Grund werden feste Zahnspangen bei diesen Fällen auch entfernt, sobald es zu einer dauerhaften Schädigung der Zähne kommen könnte.

Während einer kieferorthopädischen Behandlung kann es durch die Bewegung des Zahnes zu einer Verkürzung der Wurzel, einer sogenannten Wurzelresorption, kommen. Diese Komplikation ist weitestgehend nicht vorhersehbar, da die Anfälligkeit für Wurzelresorptionen bei jedem Patienten individuell ist. Zusätzlich zur kieferorthopädischen Behandlung gib es auch andere Einflüsse, die die Entstehung einer Wurzelresorption fördern können, wie z.B. retinierte Zähne, ein Unfall oder hormonelle Veränderungen. Die meisten Wurzelresorptionen sind in der Regel vernachlässigbar und beeinflussen nicht die Lebensdauer und die Funktionalität des Zahnes. Nur in Ausnahmefällen kann eine Wurzelresorption größeren Ausmaßes die Lebensdauer des Zahnes vermindern. Sehr selten ist auch der Vitalitätsverlust des Zahnes – eine Nekrose der Pulpa. Meist sind davon Zähne mit umfangreichen Füllungen oder Zähne nach einem Unfall betroffen. Der Verlust der Vitalität zeigt sich durch Veränderung der Farbe der Zahnkrone. In diesem Fall sind eine Wurzelkanalbehandlung des Zahnes und ggf. weitere Eingriffe zur Wiederherstellung der normalen Zahnfarbe der Krone notwendig.

Bei Patienten mit dünnem Zahnfleisch kann es zu einem Zahnfleischrückgang, einer sogenannten Rezession, kommen. Um dies zu behandeln, ist ein ggf. chirurgischer Eingriff möglich.

Komplikationen bei der Behandlung können auch durch unerwünschte Gewebsreaktion des Patienten auf die Behandlung oder durch ein unberechenbares Wachstum entstehen. Unter diesen schwierigen Umständen können die Behandlungsergebnisse beeinträchtigt oder eine Ergänzung oder Änderung des Behandlungsplanes notwendig werden.

Während der kieferorthopädischen Behandlung kann es auch zu Problemen im Bereich des Kiefergelenkes kommen. Es wurde nachgewiesen, dass eine korrekt durchgeführte kieferorthopädische Behandlung diese Probleme nicht verursacht, sondern diese wahrscheinlich unabhängig von der kieferorthopädischen Therapie auftreten.